…an diesen Running-Gag des Silvesterrituals könnte man denken, wenn man das diesjährige 5-Liter-Festival Revue passieren lässt.
Erneut erfolgte der verspätete Saisonstart und Eröffnungslauf am Karfreitag des Jahres mit den 5-Literboliden von BRM. Im letzten Jahr stellte sich lieferungsbedingt der Grip nicht wie gewünscht ein, in diesem Jahr verzögerte sich stattdessen die Fertigstellung des ganzen Raumes und die Neuinstallation der Bahn. Letztlich hat sich die ganze Mühe aber gelohnt.
Um es kurz zu machen, die Bahn begeistert. Fast jedenfalls. Der Grip ist großartig und der neue Lack sorgt dafür, dass die schnellsten Rundenzeiten 3 Zehntel unter dem Niveau des Vorjahres liegen. An einer Bahnstelle allerdings, auf der Spur “3” nach etwa einem Rundendrittel, reagierten einige Fahrzeuge extrem allergisch auf den Schienenübergang.
Dieses Ungemach lag nicht an einer Oberflächenkante oder einem Versatz in der Spur, sondern am Höhenniveau der geklebten Litze. Das neue Ersatzschienenteil wurde ganz offenbar signifikant tiefer gefräst und bei besonders tiefliegenden Leitkielen führte das zu einem deutlich vernehmbare “Klack” und in der Folge zu mehr als einem ungewollten und unverschuldeten Abflug bei den Betroffenen.
Das nervte natürlich. Dabei erwischte es grundsätzlich nur Porschepilotinnen und Piloten, die 3 Ferraristi im 21köpfigen Feld waren allesamt safe. Ungefähr ein Viertel der Porschearmada litten mehr oder weniger massiv unter diesem Ärgernis, ganz besonders war es aber Neal, der seine fabulöse Jagd an der Spitze jäh eingebremst sah. Seltsamerweise war dieses Phänomen weder am Montag noch am Mittwoch bei den vorausgegangenen Testfahrten augenfällig.
In jedem Fall standen wie im Vorjahr 21 Teilnehmende an der Bahn. Ich hoffe, dass diese Regel: neu renovierter Raum und neue Bahn, sich jetzt nicht jährlich verselbständigt. Unser Renovierungsbedarf ist grenzwertig übersättigt.

Der Blick von der Rückseite der Bahn zeigt eine der vielen Schlüsselstellen: Deutlich wird das verkappte Omega, kurz vor der Eingang zur Zielkurve. Auf Spur “1” und “5” müssen hier die Anbrems- und Beschleunigungspunkte schon ganz genau passen, wenn man nicht zu viel Zeit in dem Geschlängel verlieren und die sichere Führung im Schlitz behalten will.
Im Qualifying auf der Spur “2” hatte Micha erstmals ein ganz besonderes Erlebnis: für ihn wurde die Streckenrekordmelodie gespielt, Jürgens Lackierkünsten sei Dank. Nur wenig später hatte sich der vergleichbare Traum anderer in dem Kontext jedoch erledigt. Neal stand an der Bahn, und seine Zeiten purzelten. Am Ende stand eine sensationelle 9,018er Runde für ihn im Zeitentableau. Niemand sollte im Qualifying auch nur annähernd in diese Nähe kommen.
Stattdessen schafften mit Robse und Alex zwei Ferraris den Sprung in den Toplauf. Das fühlte sich fast so an wie 2022, als noch 3 Ferraris den Sprung nach ganz vorn schafften. In diesem Jahr waren es noch zwei 512er, weil Thomas, der Überraschungssieger des Vorjahres, überraschenderweise nicht über den sechsten Platz hinauskam. Das verblüffte genauso, wie die strategische Hatz Marcs, der als Elfter knapp den Cut für die zweite Gruppe verpasste.
Wo wir schon einmal bei negativen Überraschungen sind, auch Werner verwachste massiv seinen Qualifikationsauftritt. Zu kurze Schleifer ließen ihn dumm dastehen, denn mehr als eine 9,992er Runde wollte ihm einfach nicht gelingen. Damit fand er sich als Sechzehnter ganz hinten im Bus wieder, umgeben von einem Dahlheimer Quintett aus zwei Jungs und 3 Mädels, von denen Bianca sogar die schnellste mit einem alten Porschechassis war.
Sabrina war derweil besser. Obwohl sie noch nie einen Meter auf der Bahn absolviert hatte, qualifizierte sie sich als Vierzehnte für das anschließende Rennen der dritten Gruppe. Sabrina fuhr damit an der Seite Jürgens, der seinen gelb-grünen 512M mit altem Chassis einsetzte, und Geralds, der ganz kurzfristig aus Hildesheim angereist war, um seinen Gulf-917K auszufahren.

Ein Bilderpotpourri eines kurzweiligen Tages. Vier Startgruppen, bunte Scalelackierung der Jahre 1970 und 1971, jedoch mit einer ganz besonderen Ausnahme: Till hatte den David-Piper-917 in der Salzburglackierung an den Start rollen lassen, der so erst seit den frühen 90er Jahren im historischen Motorsport unterwegs ist, aber bis heute eingesetzt wird.
Werner machte hinten Druck, um sein verkorkstes Qualifying zurecht zu rücken, was ihm auch gelingen sollte. Bis auf den elften Platz ging es für ihn nach vorn. Den Dreikampf der Amazonen entschied währenddessen Fabienne für sich, unmittelbar hinter Andi. Detlef machte ebenso wie Werner einen Satz nach vorn. Er überflügelte auch noch Sabrina und Gerald, die erst in der dritten Startgruppe mitspielen sollten.
Jürgens gut gefettetes italienisches Alteisen rollte auf Platz 13 ins Ziel, unmittelbar vor Marc, der den himmelblau-gelben Gesipa-917K einsetzte. Für ihn wären bestimmt 5 Runden mehr drin gewesen, allerdings hat er sich leider zu stark von den Irrationalitäten der dritten Spur einbremsen lassen. Neal bewies später, dass es auch anders geht. Unterdessen gab Till richtig Gas und setzte mit seinen 184,05 Runden in der dritten Gruppe eine Benchmark. Bis auf den achten Platz rückte er damit im Endklassement nach vorn.
Richtig tollen und engen Miniaturrennsport lieferte die zweite Gruppe. Thomas war zwar kontinuierlich der Schnellste und letztlich auch der Fehlerfreiste, alle anderen blieben ihm aber auf den Fersen. Don kämpfte dabei mit stumpfen Waffen, da sein 917K einfach keinen guten Motor hatte. Nicht zuletzt deshalb wurde er mit 178,16 Runden auf den zwölften Gesamtwertungsplatz durchgereicht.
Jörg, Roland und Dirk fuhren im Formationsflug um den Kurs und erst ganz am Ende schlug das Pendel zu Jörgs Gunsten aus. Roland rettete sich auf den siebten Platz ins Ziel, während Dirk als Zehnter über die Line rollte. Rolands Performance ging allen währenddessen direkt ins Ohr. Ein ohrenbetäubenden Kreischen war aus dem Norisring AAW-917K zu vernehmen.
Thomas fuhr parallel dazu allen davon und so sackte er am Ende als Dritter aus dem Toplauf nicht nur Micha (Platz 9), sondern auch noch Stefan und Alex ein. Davor kämpfte Neal wie ein Löwe gegen Robse. Der machte aber einfach so gut wie keine Fehler und Neal hatte nun einmal die allergene dritte Spur zu ertragen. Da konnte man nichts machen. Robses 194,86 Runden waren einfach zu gut, denn mehr als 10 Runden hatte er im Vergleich zum Vorjahr drauf gepackt. Welch eine starke Leistung!
Wir sehen uns am 3. Oktober in Gießen, zum nächsten 5-Liter-Festival! Ich freu mich drauf.

